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Mit 16 Jahren schrieb ich Rodney aus Jacksonville einen niedlichen Brief. Er war dort in der Todeszelle untergebracht und sehnte sich ein wenig nach Ablenkung. Weshalb genau er dort einsaß, durfte er mir nicht mitteilen, da er um eine Wiederaufnahme des Falles bemüht war und keine näheren Auskünfte erteilen durfte. Er zeichnete gerne Bilder, die er "Dark arts" nannte. Rodney war 27 Jahre alt und stammte ursprünglich aus New Orleans. Er hatte zwischendurch immer mal wieder durchklingen lassen, dass er zu Unrecht verurteilt wurde. Nach drei Briefen insgesamt, teilte er mir mit, dass ich komisch sei und er es für besser befände, wenn ich ihm nicht mehr schreiben würde. Also schrieb ich Dominic, der ebenfalls in Jacksonville saß. Eigentlich wollte ich jemanden aus St. Quentin, um mir irgendwie das Gefühl zu geben, ich sei mit Charles Manson befreundet. Dominic klang nach einem Vergewaltiger und Mörder, ich mochte ihn. Obgleich er recht naiv war. So schrieb er, dass er auf ein College gehen und ein Studium beginnen würde. Das er sich eine Familie wünscht. Eigentlich hätte er wissen müssen, dass sich seine Träume in Rauch auflösen werden ( spätestens in der Gaskammer), aber ich schätze, erst in einem Todestrakt, den Tod nur wenige Meter hinter den Gitterstäben seiner Zelle, entwickelt man eine ungeheure Lebenskraft, einen unumstößlichen Willen. Ich habe mir die Frage gestellt, hätte ich die Wahl, wie würde ich sterben wollen...ich finde elektrische Stühle sexy. Ich mag es, wenn einem die Augen verbunden werden, wenn sie dich festschnallen und du aufrecht in deinem Stuhl sitzt, mit rasiertem Körper. Ich würde den elektrischen Stuhl wählen. Dominic ist vermutlich immer noch in seiner Unit C und wartet. Rodney wird tot sein...hoffe ich, denn einen besseren Grund mir nicht mehr schreiben zu wollen, kann ich mir nicht vorstellen!
17.5.06 12:43


Ich vermisse meinen Mops. Damals hat es mich einige Tränen und Überredungskünste gekostet bis ich mir endlich einen kaufen durfte. Ich wollte einen ganz jungen, kleinen Welpen, der ausschliesslich auf mich fixiert sein würde. Dieser Hund hat ein kleines Vermögen gekostet und ich war derart stupide, dass ich das arme Ding in eine Hundetasche stopfte und quer durch die Stadt schleppte, damit jeder mich sehen und bewundern konnte. Jedenfalls, habe ich ihm nicht einmal einen Namen gegeben- und immer wenn jemand mich fragte : Wie heisst der denn? , habe ich mir einen neuen ausgedacht. So geschah es, dass Mops mich verfolgte. Immer wenn ich aufstand, kam er mir hinterher gewackelt, wollte in meinem Bett schlafen...was ich anfangs auch zuliess, bis mich dann eines nachts seine Pfote von hinten fasst und in meinem Haar vergräbt. Das war zuviel! Ich konnte diese Nähe einfach nicht ertragen. Dieser kleine, blöde Mops der seine Nase rümpfend und schmatzend in den Napf steckte und mich mit seinen hervor stehenden Glubschaugen verfolgte und beschattete. Ich verkaufte ihn und liess mir von dem Geld die Haare machen, ging shoppen. Ich habe seinen Stammbaum zur Erinnerung behalten. Damit möchte ich nur sagen : Ich bin für solche Angelegenheiten nicht geeignet. Man kann sich nicht auf mich fixieren und erwarten das ich ihn "lieb habe". Noch heute wirft man mir vor, wie egoistisch etc. ich mich benommen habe "Um deinen Mops haste dich auch nicht gekümmert, obwohl du ihn unbedingt wolltest!" Wenn ich es nicht getan hätte, dann hätte ich ihn vor ein Auto geworfen oder hätte selbst nachgeholfen, bloss dass das Vieh mich zufrieden lässt. Ich weiss noch, wie ich im Garten saß und gerade aufstehen wollte, als Mops sich alarmiert erhebt und hinterher gesprintet kam. Ganz gleich wo ich mich befand, er kam stets hinterher. Aber ich vermisse ihn. Nicht einmal einen Namen habe ich ihm gegeben. Ich kann nicht einmal benennen, wen ich vermisse. Eine Schande.
16.5.06 17:32


Manchmal ist es unerträglich schlimm. Ich muss mir beide Hände auf den Mund pressen um nicht laut, vor Traurigkeit und Verzweiflung, aufzuschreien. Da bleibt immer ein Rest solcher schlaflosen Nächte übrig und gesellt sich zu dem bisher angestautem- aber alles in allem ist es ein kurzer Moment. Und dann ist es wieder vorbei und ich kann nicht mehr genau sagen, was passiert ist. Ich sehe oft Schatten und Lichter blinzeln/vorbei huschen und ich habe Angst verrückt zu werden. Ich habe Angst, das ich nicht mehr zurück komme, wenn ich abgedriftet bin. Mir sagte jemand, dass er gerne mit mir tauschen würde, dass er es für etwas besonderes hält "so zu sein", wie ich es bin. Aber das sagt mir nur, dass er nicht verstanden hat, was ich sagen wollte. Ich bemühe mich nicht mehr um Erklärungen. Wenn ich früh morgens wach liege und auf das Michale Graves Bild in meinem Zimmer starre, wirkt er in diesem s/w Licht, wie ein zusammen geschlagener, grässlicher Gelbhaar-Clown. Als ich in meinem Atosil-Rausch durchgedreht bin, habe ich ihn weinen gesehen. Das Geschehene kam lückenhaft zurück und trat mir immer mal wieder, sporadisch, ins Gedächtnis. Ich habe Frank neben mir im Bett liegen sehen und als ich ins Schlafzimmer geflüchtet bin um mich zu beschweren, weshalb sie es zulassen das er sich in mein Bett legt, sagten sie ich solle schlafen gehen. Erst als ich mit einem Papiertuch zurück kam und Mama bat, die Schnecken aus meinem Vorhang zu entfernen, dämmerte es ihr, dass ich mich mal wieder vollgestopft hatte. Die Badewanne war bis zum Rand vollgelaufen und erst im letzten Moment muss ich sie wieder abgestellt haben, aber ich erinnerte mich erst später daran, dass ich mir Wasser einlaufen liess um mir die Füße zu waschen, weil ich doch auf all die Schnecken getreten war. Eine Stunde später, sah ich in den Spiegel und tatsächlich: man kann durchaus tot aussehen! Meine Lippen waren blau, meine Augen dunkel umrandet, völlig zerzaust und blaß. Im Krankenhaus haben sie meinen Puls gemessen, der sich bei über 140 befand- und das, obwohl bereits einige Stunden vergangen waren. Sie liessen mich nur gehen, weil meine Eltern versprachen mich zurück ins LKH zu bringen, aber auf der Rückfahrt hatte ich gebettelt und gefleht, es nicht zu tun. Lange Zeit durfte ich meine Zimmertür nicht mehr abschliessen und alles, was ich verschrieben bekam, wurde verschlossen und mir in Rationen eingeteilt. Sie verstehen nicht, dass ich einfach Urlaub brauche. Urlaub von mir und meinem Kopf, von diesem hier. Als ich mir vorstellte, mir eine Wohnung zu nehmen und sie in Gedanken ansah (vor etwa 2 Monaten), stand ich auf dem Balkon und ich wusste, würde ich dort einziehen, ich würde irgendwann auf ihm stehen, mich betrinken und springen. Ich kann nicht alleine leben. Andere behaupten durch Ablenkung und Beschäftigung, würde es vorübergehen... aber damit beweisen sie nur, ihre mindere Intelligenz. Mir geht es gut. Tatsächlich geht es mir gut. Ich stand in der Küche und wollte mir die Pulsadern aufschneiden, doch bevor ich in die Schublade greifen konnte kam Mama um mich daran zu erinnern, dass ich etwas essen muss. Ich erzählte ihr eines meiner Lügenmärchen, von wegen wie fabelhaft ich mich fühlen würde, dass andere mit meinen Maßen in einer Essklinik an ihrer Magensonde hängen- und das es mir im Gegensatz zu ihnen, soooo gut gehe. Alles was sie sagte : Nein Melanie. Dir geht es eben nicht gut. Gerade weil du denkst, es gehe dir gut!

Ihr Ton klang sehr ernst und aufrichtig besorgt, aber ich war froh darüber das sie mir meine Aussage nicht glaubte. Martin stellte die These auf, dass ich mich an meinen Zustand schlichtweg gewöhnt habe. Das es mir nicht mehr auffällt, wenn mein Körper Signale sendet, die aussagen wie schlecht es ihm geht. Er hat Recht.
15.5.06 07:08


Ich tue nur so als ob. In Wahrheit bin ich ein gut gelauntes, spontanes und humorvolles großes Mädchen. Alles was ich bin, ist ein Hypochonder ( und selbst das bilde ich mir wohl nur ein). Ich bin zu glücklich, als das ich es noch bemerken würde. Es ist schön hier. Sehr schön sogar. Bestimmt bleibe ich noch eine ganze Weile lang.

Sie haben mich nichts gelehrt und mir ihre Erziehung weitestgehend verweigert- und doch muss ich nur lieb bitten, um zu bekommen, was ich verlange.

Übermorgen werde ich erneut durch die Gegend hetzen und meine Termine einhalten, dabei werde ich keine Minute geschlafen haben. Ich kann nicht schlafen. Selbst wenn ich zwei Nächte lang, wach gewesen bin und mir so erhoffe, dadurch einschlafen zu können, kann ich es nicht. Ich bin müde, aber kann nicht schlafen. Das ist schlimm. Wenn ich wenigstens nicht schlafen wollen würde, dann wäre es sicher tragbar...aber so...nein. Sie sollen mir endlich Valium geben. Nicht diesen albernen "Ui, dass macht auch ganz sicher nicht abhängig!"- Plunder.
10.5.06 15:37


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